170.000 Menschen in Österreich leben mit Demenz, bis 2050 wird sich diese Zahl nahezu verdoppeln. Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten der Lancet-Kommission, dass rund 45 % aller Demenzfälle durch die Beeinflussung von 14 Risikofaktoren potenziell vermeidbar wären. LETHE-AT überführt dieses Wissen erstmals in Österreich in ein strukturiertes, digital unterstütztes Präventionsprogramm.
Elisabeth Stögmann, Leiterin der Gedächtnisambulanz am AKH Wien: „In unserer Ambulanz sehen wir täglich Menschen, die sich Sorgen um ihr Gedächtnis machen, aber bislang kein strukturiertes Präventionsangebot vorfinden. LETHE-AT schließt diese Lücke mit einem personalisierten Programm, das wir langfristig in die Regelversorgung überführen wollen."
Aufbauend auf internationalem Erfolg
LETHE-AT baut auf bewährten Grundlagen auf: Die FINGER-Studie wies erstmals nach, dass gezielte Lebensstiländerungen kognitiven Abbau verlangsamen können. Im Vorgängerprojekt EU-Horizon-2020 LETHE wurde ein digital unterstütztes Lebensstilprogramm an vier europäischen Kliniken mit 160 Teilnehmer:innen erfolgreich erprobt, mit bemerkenswert hoher Teilnehmerbindung über zwei Jahre.
Markus Bödenler, FH JOANNEUM, Institut für eHealth: „App und Smartwatch wurden für LETHE-AT gezielt weiterentwickelt, mit Fokus auf alltagstaugliche Nutzung und die Unterstützung individueller Gesundheitsziele."
Schematisches Studiendesign (vereinfacht)
LETHE-AT ist eine 18-monatige, randomisiert kontrollierte Studie an den Gedächtnisambulanzen der Universitätskliniken für Neurologie in Wien, Graz und Innsbruck. Teilnehmen können Personen zwischen 55 und 75 Jahren mit erhöhtem Risiko für kognitiven Abbau.
Der Einschluss erfolgt über eine zentrale Rekrutierung: einen Online-Fragebogen, einen telefonischen Gedächtnistest und einen persönlichen Termin in der Ambulanz. Beim Studienstart werden Ausgangsdaten erhoben und die LETHE-AT App sowie eine Smartwatch eingerichtet.
Während der Studie nutzen alle Teilnehmer:innen die LETHE-AT App und Smartwatch zur kontinuierlichen Erfassung von Gesundheitsdaten wie körperlicher Aktivität und Schlaf. Je nach Studiengruppe unterscheidet sich der Umfang der persönlichen Begleitung, etwa durch Workshops oder Einzelgespräche. Im 9. und 18. Monat finden Kontrollvisiten statt, bei denen kognitive Leistung und Gesundheitsstatus umfassend untersucht werden, unter anderem mittels neuropsychologischer Tests, Blutabnahmen und bei einem Teil der Teilnehmer:innen einer MRT-Untersuchung.
Niklas Rast von der Medizinischen Universität Wien: „Wir untersuchen keine Einheitslösung, sondern erarbeiten gemeinsam mit den Teilnehmer:innen individuelle Ziele, abgestimmt auf ihre Lebenssituation und persönlichen Prioritäten."
Patient:innen gestalten aktiv mit
Ein Patientenbeirat aus Personen mit eigenen Erfahrungen mit kognitiven Beschwerden begleitet LETHE-AT seit der Planungsphase. Die Mitglieder gestalten Studienunterlagen, Rekrutierungsmaterialien und die Risikokommunikation mit und stellen sicher, dass das Programm verständlich und an den Bedürfnissen der Zielgruppe bleibt. Organisatorisch unterstützt die Demenz Selbsthilfe Austria den Beirat.
Die Vision: Gedächtnisambulanzen der nächsten Generation
LETHE-AT verfolgt ein Ziel über die klinische Studie hinaus. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für sogenannte Brain Health Services bilden: evidenzbasierte Präventionsstrukturen, die personalisierte Demenzprävention in die klinische Regelversorgung integrieren. Gemeinsam mit einem österreichischen Expert:innen-Netzwerk erarbeitet das Projekt dazu Leitlinien und eine strategische Roadmap.
Sie möchten teilnehmen?
LETHE-AT sucht Personen zwischen 55 und 75 Jahren mit Interesse an ihrer kognitiven Gesundheit und Erfahrung im Umgang mit Smartphone und Apps.
Zum Online-Prescreening auf Probando
Projektwebseite: www.lethe.at
Konsortium & Projektdaten
| Förderung | 2,4 Millionen Euro, FFG-Austrian Life Sciences 2024-2026 |
| Laufzeit | April 2025 bis März 2027 |
| Koordination | FH JOANNEUM, Institut für eHealth, Graz |
| Studienzentren | Wien, Graz, Innsbruck (Universitätskliniken für Neurologie) |
| Konsortialpartner | MedUni Wien, MedUni Graz, MedUni Innsbruck, FH Joanneum, ELGA GmbH, Demenz Selbsthilfe Austria, PH Predicting Health GmbH, Probando GmbH, 4 Brains GmbH, DAPHOS GmbH, SYNYO GmbH |
| Externe Partner | AGES - Neuroth |
| FFG-Projektseite | https://projekte.ffg.at/projekt/5133077 |