Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, die wiederkehrende Anfälle verursacht. Wenn die Anfälle von bestimmten Bereichen des Gehirns ausgehen, spricht man von einer fokalen Epilepsie. Diese kann körperliche und psychische Beeinträchtigungen verursachen, das soziale Leben beeinflussen und die Lebenserwartung verkürzen. Bei den meisten Menschen mit Epilepsie können Medikamente die Anfälle wirksam kontrollieren. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen zeigen diese jedoch keine ausreichende Wirkung. Einem Teil dieser Patient:innen kann als alternative Behandlungsmöglichkeit eine Gehirnoperation angeboten werden.
Ein neuer Ansatz in der Epilepsieforschung geht davon aus, dass die Ursachen der Epilepsie im gesamten Gehirn verteilt sind und komplexe Netzwerke bilden. Unser Forschungsprojekt EPICONN untersucht diese Veränderungen. Unser Team vereint Fachärzt:innen und Expert:innen für medizinische Bildgebung, Genetik und künstliche Intelligenz, um diesen neuen Ansatz zu erforschen.
Derzeit ist es im klinischen Alltag nicht möglich vorherzusagen, welche Menschen mit Epilepsie nicht ausreichend auf herkömmliche Medikamente ansprechen und daher neue Behandlungsstrategien benötigen. Um dies zu ermöglichen, möchten wir biologische Merkmale des Gehirns („Biomarker“) identifizieren, die dabei helfen, schneller die bestmögliche Behandlung zu finden.
Wir werden nach Biomarkern suchen, die zeigen, wie Epilepsie das Gehirn beeinflusst, wie diese Veränderungen miteinander zusammenhängen und wie sie individuelle Behandlungserfolge vorhersagen können. Darüber hinaus sollen sie helfen zu erkennen, welche Personen weitere Folgen der Epilepsie, beispielsweise eine Verschlechterung des Gedächtnisses, entwickeln könnten.
Wir hoffen, dadurch bereits im Voraus vorhersagen zu können, wie Menschen mit Epilepsie auf bestimmte Behandlungen reagieren werden. Dies könnte neue diagnostische und therapeutische Entscheidungen ermöglichen und so zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen.
In den ersten vier Jahren werden wir 300 Personen mit fokaler Epilepsie einladen, an unserer Studie teilzunehmen. Wir werden ihre Untersuchungsergebnisse umfassend analysieren, um Marker zu identifizieren, die zur Entwicklung neuer Behandlungsansätze beitragen können. In den darauffolgenden vier Jahren werden wir die entwickelten Verfahren Patient:innen an mehreren österreichischen Epilepsiezentren zur Verfügung stellen und untersuchen, welche Ansätze sich in der klinischen Praxis als besonders nützlich erweisen.
Wer kann an der Studie teilnehmen?
An dieser Studie können alle Personen teilnehmen die an fokaler Epilepsie leiden und welche noch keine invasiven Operationen im Bereich des Kopfes hatte (z.B. Kraniotomie).
Wie läuft die klinische Studie ab?
Diese Studie wird an der Universitätsklinik für Neurologie, der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, sowie der Universitätsklinik für Neurochirurgie des AKH/MedUni Wien durchgeführt. Im Rahmen der Studie erhalten Sie eine umfassende Abklärung, bestehend aus elektrophysiologischen Untersuchungen, umfassender Bildgebung, genetischer Testung, sowie, falls relevant, Analysen des operativ entnommenen Hirngewebes. Die bildgebenden Untersuchungen beinhalten folgenden Methoden:
Strukturelle MRT: Zeigt, wie Ihr Gehirn aufgebaut ist, und ob es sichtbare Veränderungen gibt.
Funktionelle MRT (fMRT): Zeigt, welche Bereiche Ihres Gehirns bei bestimmten Aufgaben oder in Ruhe aktiv sind.
FMRT mit transkranieller Magnetstimulation (TMS): Misst, wie Ihr Gehirn auf gezielte Magnetimpulse reagiert.
FMRT mit EEG: Misst gleichzeitig die elektrischen Signale des Gehirns und dazugehörige aktive Regionen.
FDG-PET: Zeigt den Energieverbrauch Ihres Gehirns an und misst, ob einige Bereiche weniger aktiv sind.
7T MR-Spektroskopie: Misst die Konzentration wichtiger Botenstoffe in bestimmten Hirnregionen.
Ein Jahr nach Erstuntersuchung bzw. ein Jahr nach Operation finden sämtliche Untersuchungen erneut statt.
Sie leiden an fokaler Epilepsie und würden gerne mehr Informationen erhalten?
Sie erreichen das Team unter der Tel. Nr.:
+43 1 40400-48680 (Mo-Fr 09:00 bis 15:00)
Leitstelle 6A
+43 1 40400-31010
Weitere Informationen
https://neurologie.meduniwien.ac.at/informationen-fuer-patientinnen/ambulanz-fuer-epilepsie/